Dieser Beitrag ist vollgepackt mit meinen besten Tipps und Wissen darüber wie du deine Denkweise ändern kannst, um deine Genesung zu unterstützen.

Je mehr ich mit Betroffenen 1:1 arbeite oder Emails von Betroffenen erhalte, die durch die Genesungsphase gehen, desto stärker realisiere ich, wie wichtig deine Denkweise ist, um vollständige Genesung zu erlangen. Wenn wir das zu viel Nachdenken und unsere Ängste und Sorgen in der Genesung abschalten könnten, würde unser Körper viel einfacher genesen. Aber es ist unsere Denkweise, die uns nur allzu oft stoppt und unsere Bemühungen in der Genesung sabotiert.

Wie viele von euch wissen, habe ich den Genesungsprozeß ohne Hilfe durchgemacht. Ich fand Unterstützung in dem Buch „Brain over Binge“ und online-Ressourcen von ehemalig Betroffenen, aber ich mußte alleine durch den beängstigenden Genesungsprozeß durchgehen. Zurückblickend weiß ich, daß einige entscheidende Veränderungen in meiner Denkweise dazu beitrugen, meine Genesung rascher und effektiver voran zu treiben. Durch das Verändern und konstantem Arbeiten an meiner Denkweise, war ich im Stande die Selbstsabotage zu stoppen, durch den beängstigenden Genesungsprozeß zu gehen und vollständige Genesung zu erlangen.

Nun möchte ich mit dir die entscheidende Denkweise teilen, die es dir ermöglicht die Selbstsabotage zu stoppen, deine größte Unterstützerin zu werden und weiter zu machen auch wenn Ängste auftauchen.

  • – „Ich bin faul und nutzlos. Alles was ich mache ist essen, essen, essen. Kein Wunder bin ich fett!“
  • – „Wenn ich nur dieser Diät XYZ folgen könnte, hätte ich den perfekten Körper und wäre glücklich.“
  • – „Ich hasse meine Hüften und meinen Bauch! Wenn ich nur XYZ Kilos verlieren könnte!“
  • – „Oh nein! Jetzt habe ich gerade alle meine täglichen Kalorien in einer Mahlzeit aufgegessen. Jetzt lasse ich das Abendessen aus und gehe statt dessen eine Runde laufen.“
  • – „Ich fühle mich so fett und aufgebläht. Ich habe keine Selbstkontrolle. Ich fühle mich schrecklich! Ich muß alles wieder erbrechen!“

 

Kennst du diese oder ähnliche Gedanken?

Wenn die Stimme in deinem Kopf dich ständig kritisiert, permanent negativ ist und dich runter zieht, wie kann dies nützlich für deine Genesung sein?

Dies tust du dir selbst an, niemand anderes!

Die Stimmen in deinem Kopf zu ändern, ist einer der entscheidenden Faktoren, um erfolgreich durch den Genesungsprozeß zu gehen. Deine Gedanken kreieren deine Realität. Was du denkst, bestimmt deinen Erfolg in deiner Genesung.

Was sind Essstörung-Gedanken (ES-Gedanken)?

ES-Gedanken sind keine Halluzinationen. Vielmehr sind es interne Gedanken von deinem Gehirn, wie du in einer negativen Form zu dir selbst sprichst. Dies beeinflußt dein Körperbild, deine Eßgewohnheit und deinen Selbstwert. Diese Gedanken führen dazu, daß du meinst einer bestimmten Diät folgen zu müssen, um gesund und schlank zu sein. Diese Gedanken lassen dich einsam fühlen, isolieren dich, lassen dich dein Umfeld belügen, halten dich in Selbstzweifel, Selbsthaß und einer Obsession rund um deinen Körper und Essen zurück. Sie sind dafür verantwortlich, daß du deinen Körper nicht akzeptierst wie er ist. Wenn du von einer Eßstörung betroffen bist, weißt du wahrscheinlich von was ich spreche. Jede hat unterschiedliche Gedanken, diese Gedanken können stark davon abhängen was der persönliche Hintergrund ist und was deine größten Ängste sind. ES-Gedanken sind alle sehr negativ und destruktiv. Diese Gedanken halten dich in deiner Restriktion und somit in der Eßstörung zurück. Manche Betroffene sagen, daß es unumgänglich ist nicht auf diese Gedanken zu reagieren, weil die Gedanken so real sind. Die Handlungen auf diese Gedanken geschehen beinahe automatisch. Es ist ein Gefühl von „außer Kontrolle sein“. Die Restriktion, das Binge Eating, das Erbrechen, das exzessive Sport treiben, XYZ-Dinge tun, scheinen die einzige Möglichkeit zu sein, um mit diesen Gedanken umzugehen. Auch wenn es nur kurzfristig ist.

Doch diese ES-Gedanken sind nicht wirklich deine, sie stehen nicht für das was du wirklich möchtest! Wenn du seit Monaten oder sogar seit Jahren an einer Eßstörung leidest, wurden diese konstanten Gedanken von Restriktion und fehlender Körperakzeptanz normal und zu einem automatischen Gedankengut in deinem Kopf. Sie wurden zu einem sehr starken Teil von dir. Diese Gedankengänge wurden zu einer schlechten Gewohnheit, die sehr schwer zu durchbrechen scheint. Du hast diese destruktiven Gedanken in deinem Kopf kreiert, als du dich selbst das erste Mal als nicht gut genug, fett oder ungesund gesehen hast. Diese Gedanken hast du dir selbst immer wieder gesagt, bis sie automatisch und real wurden. Du hast dich selbst einer Gehirnwäsche unterzogen. Die Gedanken wurden ein Teil von dir, darum denkst du auch, daß diese Gedanken von deinem wahren Ich stammen. Es ist jedoch unglaublich wichtig, daß du erfährst, daß diese Gedanken nicht Du selbst bist! Du hast sie lediglich in deinem Kopf kreiert und sie dann zum Leben erweckt, indem du sie ständig repetiert und nach ihnen gehandelt hast. Es ist die Konditionierung (gelerntes Verhalten und gelernte Glaubensmuster) und die Gehirnwäsche, die dich in der Eßstörung halten. Um dich von dieser Gehirnwäsche lösen zu können, mußt du deine Gedanken ändern.

Wie änderst du deine ES-Gedanken?

Jedes Mal, wenn du etwas wiederholst (auch wenn es nur ein Gedanke ist, den du dir selbst immer wieder sagst), stellst du eine neuronale Verbindung in deinem Gehirn her. Dein Gehirn kennt jedoch den Unterschied zwischen Wahrheit und selbst auferlegtem Glaubensmuster nicht. Was also lehrst du deinem Gehirn Tag für Tag? Ich nehme an, wenn du das hier liest, ist es wahrscheinlich nicht so, daß du dein Gehirn mit liebenden und wertschätzenden Gedanken über dich selbst „fütterst“? Richtig? Dies kannst du jedoch ändern! Wenn du realisierst, daß dein Gehirn veränderbar ist, kannst du diese Glaubensmuster verändern.

Ändere ES-Gedanken in Intuitive-Gedanken (Schreibübung)

Intuitive-Gedanken kommen von deinem Herzen, deiner Seele und inneren Weisheit. Diese Stimme ist mitfühlend, unterstützend, realistisch, logisch und liebend. Sie ist darauf fokussiert was für dich in deiner Genesung am Besten ist.

  1. Schreibe deine ES-Gedanken auf:

Beispiel: „Ich hasse meinen Körper, weil er fett aussieht!“

  1. Schreibe deine Intuitiven-Gedanken auf:

Beispiel: „Mein Körper liebt mich und arbeitet hart, um mich gesund zu halten. Ich respektiere und akzeptiere meinen Körper so wie er ist.“

Weitere Beispiele:

ES-Gedanken: „Alles was ich tue, ist essen! Kein Wunder bin ich so fett!“

Intuitive-Gedanken: „Ich esse so viel, weil ich mich eingeschränkt habe, dies ist eine normale Reaktion von meinem Körper. Ich muß mehr essen, um von der Eßstörung genesen zu können. Ich werde mich zukünftig nie mehr einschränken, damit mein Hunger- und Sättigungsgefühl sich wieder einpendeln kann.

ES-Gedanken: „Wenn ich nur einer Diät folgen könnte, hätte ich den perfekten Körper und wäre glücklich!“

Intuitive-Gedanken: „Der Versuch einer bestimmten Diät zu folgen, hält mich weiterhin in meiner Eßstörung zurück. Die perfekte Diät existiert nicht, dies ist eine Illusion. Forschungen zeigen, daß mehr als 95% aller Diätwilligen scheitern und langfristig mehr wiegen als vor einer Diät.“

ES-Gedanken: „Ich hassen meine Hüften und meinen Bauch. Wenn ich XYZ Kilos verlieren würde, wäre ich glücklich.“

Intuitive-Gedanken: „Negative Gedanken und Restriktion lassen mich nur schlecht fühlen. Restriktion in jeglicher Art und Weise erhöht meinen Drang nach Binge Eating. Das ist es nicht wert! Ich werde zukünftig völlig uneingeschränkt essen, damit mein Körper mir wieder lernt zu vertrauen und heilen kann.“

Übe und wiederhole!

Du mußt deine beste Freundin und Unterstützerin werden und Gedanken kreieren, die unterstützend, mitfühlend und dennoch stark genug sind, um dich voran zu treiben und dich nicht mit weniger zufrieden geben als du wert bist. Indem du dir deiner ES-Gedanken bewußt wirst, sie dann in Intuitive-Gedanken änderst und diese Übung (deine aufgeschriebenen Intuitive-Gedanken) in Gedanken oder auch laut aussprechend immer wieder wiederholst, lehrst du deinem Gehirn eine neue Art der Denkweise. Du lehrst wie du in einer positiven und unterstützenden Art und Weise denkst und zu dir selbst sprichst. Natürlich, es benötigt Übung und ständiges Wiederholen aber auf diese Weise bist du in der Lage deine Denkweise zu ändern und deine Genesungszeit zu beschleunigen.

 

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